Zensur!!!

Den vorhergehenden Artikel zu veröffentlichen war gar nicht so einfach: das wegen seiner kompromisslosen politisch-liberalen Radikalität bekannte und unter den Diktatoren dieser Welt gefürchtete Yodobashi-Blog steht hier natürlich auf der schwarzen Liste der Zensoren…

… Spaß beiseite, der Zugriff auf WordPress wird hier tatsächlich von der Zensur blockiert, so dass wir unsere Ergüsse nur unter Verwendung eines deutschen Zwischen-Servers veröffentlichen können. Das macht die Sache sehr träge, außerdem können wir keine Bilder veröffentlichen.

Es gibt 9 Millionen Fahrräder in Peking …

Und jetzt auch 2 Diaspora-Weinheimer/ Ex-Gorxheimer/ Wahl-Kölner! Damit wäre der Anfang gemacht, aber wie geht es weiter? Vielleicht erstmal mit dem Offensichtlichen: wir sind wohlbehalten in Peking gelandet. Danach mit dem Bildlichen: auf unserem Weg vom Flughafen in die Innenstadt habe ich tatsächlich einen Sack Reis umfallen sehen … und dann der Reihe nach.
Der Abschied von Köln fiel uns bei strömendem Regen und lausigen Temperaturen nicht allzu schwer. Was das angeht, war die Wahrscheinlichkeit, dass es besser wird, relativ hoch. Bei der Ankunft am Flughafen in Düdo bekamen wir erstmal einen kleinen Schreck: der Flug war ein Code-Sharing zwischen Lufthansa und Chinese Airlines.
Mmmh, hoffentlich nicht die Kranich-Airline durch die Hintertür … doch Fehlalarm: der Flug war tatsächlich „operated by Chinese Airline“… ein paar Stunden später hätte ich mir dann doch gewünscht, ich säße im LH-Flieger: das Essen war zwar sogar halbwegs genießbar, aber darauf wäre es mir diesmal garnicht angekommen, schließlich hatten wir vorsorglich Hartwurst-Stullen eingepackt. Aber immerhin wurde ich bei Lufthansa stets zufriedenstellend mit Bier, Wein und Longdrinks versorgt. Das war diesmal nicht drin. Ob das jetzt am Sortiment oder der Kommunikationsfähigkeit der beteiligten Parteien lag, kann ich zwar nicht endgültig beurteilen, ich tippe aber eher auf Letzteres: schließlich haben wir (gefühlt) bei der chinesischen Sicherheitsbelehrung mehr verstanden als bei der englischen.
Wie dem auch sei: trotz angekündigter Turbulenzen verlief der Flug sehr geschmeidig und dank ordentlich Rückenwind sind wir fast eine Stunde zu früh in Peking gelandet. Die Einreise verlief, zumindest für Birgit, ähnlich unspektakulär wie der Flug. Das hätte ich auch so erwartet, schließlich hat uns das Visum schon einiges an Zeit, Schweiß, Tränen und Euro gekostet. Bei mir gab es leider trotzdem eine klitzekleine Komplikation: der Immigration-Officer wollte den 10 Jahre jüngeren und ca. 35 Kilo schwereren Oliver auf meinem Passbild partout nicht mit mir in Übereinklang bringen. Erst eine erweiterte Unterschriftenprobe und ein ziemlich flehendes „it’s really me!“ konnten ihn überzeugen (oder erweichen?).
Doch das war erst die erste Hürde der nervenaufreibenden Einreise. Vor dem Kofferband stand eine blutrünstige Bestie abgerichtet auf allerei Wurstwarenprodukte. Wie können wir den Hund nun überlisten? Schnell haben wir einen Plan geschmiedet. Leider gab es im Duty-free Shop kein Frolic. Also musste schnell eine neue Strategie entwickelt werden. Mit den übrigen Salami Broten in der Tasche sind wir vor dem Köter getänzelt. Nach dem Motto links antäuschen und rechts den großen Rucksack mit ca. 1,6kg Fleischereierzeugnisse schnappen. Keine Reaktion des Hundes. Wir wähnen uns schon in Sicherheit. Nichtsdestotrotz prügeln wir uns mit den Chinesen um einen Platz an der Pole Position am Kofferband. Wir wollen ja unser Glück nicht herausfordern. Unbemerkt des Hundes konnten wir unsere Rucksäcke schnappen. Nach einer kurzen Prüfung auf irgendwelche Aufkleber am Rucksack, wir kennen ja alle Tricks aus „Achtung Kontrolle“, liefen wir so schnell wie unsere Beine tragen konnten zur nächsten Hürde. Unser Gepäck wurde noch einmal komplett durchleuchtet. Zum Glück haben wir diesmal, anders als bei unserer Reise nach Cuba, auf Leberwurst und Bratwurst aus der Dose verzichtet. Geschafft, mit einem großen Grinsen stolzieren wir durch den Ausgang des Flughafens.
Quartier haben wir im Peking Youth Hostel bezogen … verdammt, ich habe unseren Mitgliedsausweis vom Deutschen Jugendherbergswerk zu Hause vergessen, den Rabatt können wir wohl knicken.
Keine 10 Minuten später waren wir schon wieder auf Tour durch das Quartier … erstmal Eindrücke sammeln, Details folgen. Nur soviel vorab: nach 2x Japan und ¼ Jahr Südamerika sind wir wohl gegen das Phänomen Kulturschock einigermaßen immun* (*gilt wahrscheinlich nicht für Indien).